Fasten – Ein einführender Erfahrungsbericht

Manchmal hat man das Gefühl, dass der eigene Körper sich irgendwie voll anfühlt. Nach den Feiertagen, besonderen Festen oder einfach so. Seit Jahrtausenden hat der Mensch gefastet. Bevorzugt zu bestimmten Jahreszeiten. Aber kann wirklich jeder einfach so fasten?

Fasten bedeutet eigentlich das Gegenteil von Essen und geht also mit einem Wechsel einher. Wenn wir nicht essen, zum Beispiel nachts, dann fasten wir. Leider hat sich dieses Gleichgewicht mit der Zeit aber extrem verschoben. Vor vielen Jahren gab es nur wenig zu essen und viele Menschen mussten Hunger leiden. Heute sind wir bei dem anderen Extrem gelandet. Es gibt Nahrung im Überfluss und Essen wird manchmal tatsächlich überflüssig.

Die Natur versucht immer ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen zwei Polen. Tag und Nacht, Mond und Sonne, Ausatmen und Einatmen, Schlafen und Wachen und so weiter. Wenn man bedenkt wie sich die Menschen heute ernähren, dann muss einem klar werden, dass das was wir tun nicht gesund oder normal sein kann. Frühmorgens gibt es schon ein opulentes Frühstück, dann Kaffee und Snacks oder ein zweites Frühstück, ein deftiges Mittagessen mit Nachtisch, Kaffee und Kuchen am Nachmittag und natürlich das Abendessen. Aber dann geht es weiter mit Chips und Schokolade vor dem Fernseher und einem Glas Wein und es häufen sich Menschen mit Schlafstörungen, die nachts den Kühlschrank plündern. Der Darm bekommt nicht einmal den Hauch einer Chance auf Regeneration und Erholung. Essen ist für uns mittlerweile nicht nur Nahrung, sondern Befriedigung. Es entsteht eine Sucht nach industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, Zucker, Mehl und Fett. Dabei könnte man diese Sucht auch mit einer Suche vergleichen. Der Suche nach Befriedigung, der Suche nach geistigem Wachstum, der Suche nach Etwas um diese innere Leere zu stopfen. Und der Mensch stopft gern. Vor allem mit Burgern und Co.

Früher gab es noch natürliche Fastenperioden, denn jahreszeitlich bedingt kann uns die Natur nicht permanent mit reifen Früchten und Gemüse versorgen. Der Mensch war gezwungen auf Wurzeln, Knollen und Gelagertes zurückzugreifen. Oder auf Fleisch. In jeder Religion findet man heute noch Fastenzeiten. Ob Ramadan oder das Osterfasten, Fastenzeiten vor Weihnachten und diverse andere Fastenrituale. Mittlerweile fastet man zu diesen Zeiten jedoch einfach Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol, weil das Nahrungsfasten den meisten Menschen zu anstrengend geworden ist, bzw. sich nicht so gut in stressige Alltagssituationen integrieren lässt.

Ich weiß selbst gar nicht mehr genau wie ich zum Fasten gekommen bin muss ich gestehen. Ich habe sicherlich irgendein Buch gelesen und gedacht, dass ich das unbedingt ausprobieren müsste. Ich habe mich durch Foren gelesen und noch mehr Bücher zu dem Thema gekauft und weiß, dass es bei einem der Fastenbücher von Rüdiger Dahlke irgendwann KLICK gemacht hat. Ich hatte mir vorher schon einen Entsafter besorgt, da mich der ayurvedische Arzt, den ich kurz vorher kennengelernt hatte, angehalten hat frische Möhrensäfte zu trinken um mich von meinen Parasiten zu befreien.

Ich begann, wie im Buch beschrieben an einem Wochenende und zog mich in meine Studentenbude zurück mit allem an Obst und Gemüse, was ich mir leisten konnte. Ich ging ohne Abendessen zu Bett und begann den Tag mit frischem Saft und Tee. Davon ernährte ich mich zunächst drei Tage. Natürlich trank ich viel zu viel Saft, aus Angst vor Hunger und irgendwann wurde mir schlecht. Ich bekam höllische Kopfschmerzen, dachte aber nicht ans Aufgeben. Ich hielt durch. Ganze sieben Tage lang. Ich war mächtig stolz auf mich, hatte etwas abgenommen, fühlte mich einfach nur grandios und voller Energie. Das mit dem Fastenbrechen habe ich direkt unterschätzt und nach dem ersten Apfel (der bombastisch schmeckte) begann ich wieder an ganz normal zu essen. Ich bekam Bauchschmerzen und meine Verdauung geriet durcheinander, aber ich fühlte mich trotzdem besser als vorher.

Nach wenigen Monaten beschloss ich das Ganze zu wiederholen und es hat nicht funktioniert. Es ging einfach nicht. Die ersten drei Tage überstehen und danach geht es wie von selbst, sagte ich mir ständig. Pustekuchen. Ich erwischte mich permanent beim Naschen. Das ging mir dann später noch oft so. Mittlerweile weiß ich, dass das mein Uni-Stress ist. Zwischenzeitlich hatte ich Phasen, in denen ich nicht zur Uni musste und da fastete es sich für mich besonders gut. Manchmal tut es einfach gut, wenn man nicht Zuhause oder in der gewohnten Umgebung ist und dann gehen die Dinge von ganz allein. Das ist aber keine Tragödie, dann kann man entweder einen anderen Weg des Fastens einschlagen, oder die Fastenkur auf eine stressfreiere Zeit verschieben.

Während meines Aufenthaltes in Indien lernte ich auch Einläufe durchzuführen und muss sagen, dass ich ohne Einläufe nicht mehr faste. Es geht so viel einfacher und entspannter, wenn man in den ersten Tagen Einläufe macht. Und oftmals bleiben die Kopfschmerzen dann komplett aus, weil der Körper sich schneller von den Nahrungsresten und auch –giften befreien kann.

Aber wie so vieles, fängt die Vorbereitung aufs Fasten meist mit Ausreden an wie:

Ich bin garantiert nicht fürs Fasten geeignet

Ob du geeignet bist oder nicht kann ich schwer beurteilen, aber im Grunde eignet sich wirklich JEDER zum Fasten. Den Einen fällt es schwerer als Anderen und ich bin mir sicher, dass es auch Menschen gibt, die sich so schwer tun, dass es Ihnen am Ende vielleicht doch schadet. Aber einen Versuch ist es immer Wert. Wer wirklich die Finger vom Fasten lassen sollte sind schwangere und stillende Frauen. Da oft Giftstoffe aus dem Fettgewebe freigesetzt werden, könnten diese von den Kindern, im und außerhalb des Bauches, aufgenommen werden. Außerdem sollten Menschen mit transplantierten Organen ebenfalls aufs Fasten verzichten. Da das Fasten oftmals einen extremen Schub des Immunsystems auslöst, könnte sich dies negativ auf die transplantierten Organe auswirken, die ja möglichst nicht vom Immunsystem abgestoßen werden sollen. Auch hier bitte Finger weg. Auch Menschen mit schweren Essstörungen, sollten das Heilfasten unbedingt mit ihrem Arzt oder Therapeuten besprechen und feststellen, ob sie bereits in der Lage sind zu fasten. Fasten sollte im besten Falle heilen und gut tun. Es gibt aber auch Menschen, die sowieso schon sehr ausgekühlt sind, eine sehr schwache Verdauung haben und zu Kälte neigen. Wer sich nicht absolut gesund fühlt oder bedenken hat sollte dies vorher unbedingt mit einem Heilpraktiker, Arzt, Fastenleiter, TCM- oder Ayurveda-Therapeuten absprechen.

Welche Arten zu fasten gibt es denn?

Neben dem Verzicht auf Genussmittel gibt es natürlich den Verzicht auf feste Nahrung im Allgemeinen. Nicht für immer versteht sich, sondern nur für ein paar Tage oder Wochen. Auch hier gibt es ganz unterschiedliche Formen. Die meisten schwören mittlerweile auf Saftfasten. Frisch gepresste Säfte liefern Unmengen an Salzen, Mineralstoffen und Vitaminen. Einfach toll. Der Körper wird eigentlich aufgebaut und bekommt jeden Tag eine ordentliche Portion an Energie. Diese Form des Fastens kann man relativ lang durchhalten und es wird selten langweilig, da man so viele Früchte und Gemüse kombinieren kann und es Spaß macht neue Saftkreationen für sich selbst zu entdecken. Und der Faulpelz unter euch kann sich einfach eine Ladung Säfte im Internet bestellen, viel Geld ausgeben und die Flasche aus dem Kühlschrank holen, wenn es der vorgegebene Plan so befiehlt. Gegenstimmen gibt es hier aber auch, da mit dem frischen Saft auch Restbestandteile der Früchte in den Darm gelangen und so der Darm gar nicht wirklich zum Stillstand kommt. Es wird weiter verdaut. Das Gleiche passiert aber eigentlich auch wenn man Brühe fastet. Einfach das Gemüse lange, lange kochen und dann wegwerfen oder dem Hund füttern und die warme Brühe genießen. Auch hier gibt es Mineralstoffe, die Vitamine sind vom langen Kochen leider größtenteils zerstört, aber wenigstens ist es warm, da Fastende oft zu kalten Füßen neigen. Tee kann man ebenfalls fasten, oder Wasser. Aber das ist tatsächlich nichts für den Anfänger.

Außerdem gibt es das intermitierende Fasten, aber das ist dann schon ein Ernährungsrhythmus mit entlastenden Fastentagen während der Woche. Anderes Thema, daher gehe ich jetzt nicht darauf ein.

Fasten während der Arbeit?

Wer zum allerersten Mal fastet, sollte dies meiner Meinung nach, nicht an einem Montag versuchen. Meiner Erfahrung nach empfiehlt sich das Wochenende oder einfach ein Urlaub. Es lohnt sich. Das hört sich zwar nach qualvollen Urlaubstagen an, am Ende kommt man aber strahlend und erholt zurück zur Arbeit und wird gefragt in welchem Wellness-Hotel man es sich hat gutgehen lassen.

Wer schon öfter gefastet hat kann dies eigentlich auch während der Arbeit machen. Wer nicht unbedingt 2000 Kalorien pro Stunde in seinem Job verliert, oder ununterbrochen konzentriert sein muss kann das sehr gut aushalten. Aber es reagiert ja jeder von euch anders aufs Fasten, daher einfach mal ausprobieren. Ich habe es schon geschafft zwei Wochen lang mit meinem Saft ins Büro zu spazieren und den ganzen Tag im Labor zu verbringen. Zwei Mal habe ich aber auch abgebrochen und dann drei Tage am Wochenende gefastet. War mir einfach zu viel und zu stressig in der Zeit. Einfach darauf einlassen und nicht sauer sein, wenn es nicht klappt. Wir sind schließlich keine Maschinen, die nur mal eben einen Ölwechsel vornehmen.

Fasten ist viel zu aufwändig und teuer

Fasten ist alles andere als aufwändig und teuer. Wer jedoch wirklich ordentlich fasten möchte, dem empfehle ich einmal in ein Klistiergerät oder einen Einlaufbecher zu investieren. Ganze 15 Euro. Das Gerät hält ewig und kann Wunder bewirken. Ein Entsafter muss auch nicht die Welt kosten. Ich selbst bin vor sieben Jahren in ein Geschäft gelaufen, da es gerade ein Angebot gab und habe dann nur noch das Ausstellungsstück ergattert. Nochmals stark reduziert. 80 Euro habe ich damals ausgegeben. Und das Teil funktioniert noch immer richtig gut. Wer richtig gut investieren möchte kauft sich natürlich einen Slow-Juicer für 500 Euro oder mehr. Nötig ist das aber nicht. Obst und Gemüse kauft man natürlich im Bioladen. Mein Studenten-Geldbeutel gibt das allerdings auch nicht her. Ich laufe zum Russen oder Türken um die Ecke und decke mich mit allem ein was ich brauche. Dafür wasche ich länger oder schäle auch mal.

Was habe ich denn vom Fasten?

Fasten heilt sagen die Meisten, Fasten kann aber auch zu Irritationen des Darmes führen, daher bitte ich dich einfach ganz besonders auf dich und deinen Körper zu hören. Fasten wird entweder geliebt oder gehasst, dazwischen gibt es meist nichts. Wer sich dann doch dafür entscheidet und durchhält wird oft belohnt. Als Erstes von der strahlenden, glatten und super weichen Haut. Das Hautbild wird oft feiner und gesünder, weil der Körper Kraft und Zeit hat sich zu regenerieren. Meist hat man beim Fasten auch mehr Zeit für sich, da die Zeit fürs Kochen entfällt. Dies führt dazu, dass man entspannter, langsamer und achtsamer wird. Ganz automatisch. Außerdem verbessert sich der Geschmack. Das Erste was man nach dem Fasten zu sich nimmt, vergisst man oft lange nicht. Der Geschmack ist einfach sensationell. Oft reichen dann auch sehr kleine Portionen um richtig satt zu werden. Fasten kann auch nachweislich rheumatische Beschwerden und andere Erkrankungen, wie Allergien oder Asthma lindern. Was ich auch jedes Mal wieder bemerke ist, dass man viel tiefer schläft. Anfangs brauche ich selbst immer etwas mehr Schlaf, hinterher reicht mir jedoch viel weniger Schlaf und ich bin trotzdem erholt. Und Fasten macht glücklich. Irgendwie.

Wann ist die beste Zeit zum Fasten?

Die beste Zeit zum Fasten ist, wenn es dir am besten passt. Natürlich macht es auch Sinn mit den Jahreszeiten zu fasten. Nicht ohne Grund wurde vor Weihnachten oder vor Ostern gern gefastet. Im Herbst gibt es reichlich zu Essen. Die Erntezeit bringt Früchte und Gemüse auf den Teller und man wird mehr als satt. Dann geht es auf den Winter zu, wo es weniger zu essen gibt. Meist wird von Vorräten gelebt. (Also bei uns hier nicht mehr, da geht man einfach in den Supermarkt und kauft was man will). Vor dem Winter hat man sich vom Überessen gereinigt und sich währenddessen dann etwas sparsamer und anders ernährt. Im Frühjahr sind dann eigentlich alle Vorräte aufgebraucht und es wächst auch noch nichts. Alles blüht und erwacht aber es gibt noch keine reifen Beeren und nur wenig Gemüse. Die allerbeste Zeit um sich von den vielen gekochten und eingemachten Dingen des Winters zu befreien. Die Vorbereitung auf die frischen Früchte und Gemüse des Sommers naht. Es gibt eh nichts zu Essen. Da kann man doch wunderbar fasten.

Wer aber gerade keine Zeit hat, krank ist oder viel arbeiten muss, dem bringt es auch nichts unbedingt zu dieser Zeit zu fasten. Dann funktioniert am Ende doch wieder nichts und man ist frustriert und so weiter. Wenn es passt, dann passt es.

Fastenbrechen

Viele Fastenleiter sagen, dass das Fastenbrechen wichtiger sei als das Fasten an sich. Die Verdauungsorgane brauchen Zeit um sich wieder umzustellen und je länger gefastet wurde, desto länger sollte die Umstellung auch dauern. Langsam essen, lieber eine Mahlzeit ausfallen lassen anstatt etwas unachtsam in sich reinzuschaufeln. Und das wichtigste ist das gründliche Kauen. Verdauung beginnt im Mund und wer sich das beim Fastenbrechen zu eigen macht wird auch in Zukunft davon profitieren Brei zu schlucken anstelle von „harten Brocken“. Im Ayurveda wird empfohlen stets nur so viel zu essen, wie in die eigenen Hände passt, wenn man eine Schale mit ihnen formt. Drei Mahlzeiten sind ausreichend, da genug Zeit bleibt um zwischendurch komplett zu verdauen und zwischen Abendessen und Frühstück sollten mindestens zwölf Stunden liegen. Das ist ein Richtwert, kein Gesetz. Ich versuche daran zu denken, aber schaffe es auch nicht an 365 Tagen im Jahr.

Viele brechen ihr Fasten mit Suppen, andere mit einem rohen Apfel und wieder andere mit einem gedämpften Apfel. Ich muss sagen, dass dies auch meine Favoriten sind, denn entweder habe ich Lust auf Suppe oder auf einen Apfel. Etwas Anderes kam mir noch nie in den Sinn. Achte einfach auf deinen Hunger und nimm dir nicht zu viel vor. Fettige Pommes und Pizza eigenen sich definitiv nicht zum Fastenbrechen, also denk gar nicht erst daran, denn du wirst es mit Bauchschmerzen bereuen.

Ich traue mich nicht allein zu fasten

Das musst du auch nicht. Es gibt sehr viele Menschen, die gern in Gruppen fasten und es gibt auch viele gut ausgebildete Menschen, die dich direkt anleiten können. Ich bin weder Arzt, Fastenleiter, noch Heilpraktiker, ich erzähle lediglich von meinen Erfahrungen und kann ein paar Tipps geben. Geeignete Fastenleiter findest du aber in direkter Nähe oder im Internet. Eine direkte Empfehlung von mir findest du hier: http://go.AFFILIATE.134131.digistore24.com/

Nicole ist Gründerin der Gesundheitsbox und ausgebildete Fastenleiterin und hat schon mit vielen Menschen gemeinsam gefastet und unzähligen Weiteren dabei geholfen.

Weiterhin gibt es viele Bücher zu dem Thema. Im Zweifel einfach mal ausprobieren, oder sich für eine Kur anmelden. Der Rest kommt von ganz allein. Und demnächst schreibst du mir in einem Kommentar von deinen tollen Fastenerfolgen und wie du deiner Familie die tollsten Gerichte zauberst während du gerade fastest.

Wie bei allem anderen geht es auch beim Fasten darum auf sich selbst zu hören. Man muss sich nichts vorschreiben lassen, die Fehler der anderen muss man aber auch nicht wiederholen.

Viel Erfolg 🙂

 

Nicoletta Czechowska

Biologin mit Schwerpunkt Neurobiologie, Bloggerin, Mama und selbsternanntes Organisationstalent

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