Mein Krankheitsweg

Erst einmal möchte ich dir ein paar Dinge über meinen langen Weg zur Gesundung erzählen. Wozu? Damit du mich ein bisschen besser verstehst und dich vielleicht sogar selbst teilweise erkennst. Ich möchte dir zeigen, dass es immer einen Ausweg gibt für den es sich zu kämpfen lohnt.

Als Kind war ich nicht oft krank. Ich erinnere mich an Masern, Windpocken und ein ziemlich stabiles Immunsystem. Ich fiel öfter mal vom Baum oder vom Pferd und lag zur Beobachtung auch mal im Krankenhaus, aber gebrochen war nie etwas. Mit 16 wollte ich unbedingt mit Freunden zu einem Punkrock-Konzert nach Berlin. Es war Winter und wir hatten natürlich kein Geld um irgendwo zu übernachten, also warteten wir bis zum ersten Zug am Morgen und verbrachten die Nacht am Bahnhof. Irgendwann war ich so müde, dass ich mich für eine Stunde auf den Boden legte um kurz zu schlafen. Nach Hause kam ich dann mit einer Lungenentzündung. Ich wurde natürlich mit ordentlich Antibiotika behandelt, aber da das Erste nicht viel ausrichtete bekam ich das Zweite und dann das Dritte und reagierte dann auch prompt mit einer ziemlich heftigen allergischen Reaktion. Seit diesem Zeitpunkt verliefen viele Dinge in meinem Körper anders als sie sollten, aber das habe ich erst viel später verstanden. Beim Thema „Aufbau von Darmflora“ hat mein Hausarzt wohl gerade nicht aufgepasst.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ich merkte, dass ich an Gewicht zunahm und einige Nahrungsmittel nicht mehr richtig verdauen konnte. Nach Pizza hatte ich schreckliche Bauchschmerzen und jegliche Torten und Eis verließen explosionsartig meinen Körper. Erst als ich mit 19 nach Köln zog begann ich mich mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu beschäftigen. Ich versuchte fleißig zu studieren, während mein Körper anscheinend überhaupt keine Lust mehr hatte zu funktionieren. Alle Tests auf Unverträglichkeiten waren negativ. Aber wie war das möglich? Ich merkte doch was passiert, wenn ich Käse oder Eis aß, zum Beispiel. Bildete ich mir am Ende alles nur ein? War ich einfach dem Stress des Studiums nicht gewachsen? Ich fing an zu lesen und einfach alles an mir selbst auszuprobieren. Laktose, Gluten, Histamin, alles kam in Frage. Am Ende aß ich Fleisch und Salat. In der Mensa zu essen war ein Albtraum für mich, da sich die Salatbar als relativ teuer herausstellte und ich lang nicht auf die Idee kam mir mein Essen morgens vorzukochen. Irgendwie fehlte mir ja auch die Zeit, da ich neben dem Studium noch meine seltsamen Krankheiten studieren musste.

Diät

Irgendwann kam ich auf die grandiose Idee, dass Kohlenhydrate allgemein sicher nichts für mich wären und ich stieg über Nacht auf den Atkins Zug auf. Ich meldete mich im Fitnessstudio an und begann mit einer zweiwöchigen Diät mit maximal 1000kcal täglich um überhaupt rauszufinden, ob dies das Richtige für mich war. Zwei Wochen komplett ohne Kohlenhydrate, jeden Tag Sport und nebenbei zur Uni. Später erfuhr ich von meinen Kommilitonen, dass meine Laune während dieser zwei Wochen unerträglich war. Ich nahm 7kg ab und fühlte mich natürlich bombastisch gut. Nach der ersten Woche schon überkam mich dieses Gefühl der Leichtigkeit und ich war kurze Zeit überzeugt, das Richtige gefunden zu haben. Was ich nicht berücksichtigt hatte war, dass ich nur winzige Mengen gegessen hatte und nur ungefähr alle drei oder vier Tage zur Toilette ging. Mein Stuhl war schwarz und roch ekelhaft. Nachdem ich wieder normale Portionen aß, normalisierte sich das irgendwann wieder, aber gleichzeitig verschwand auch das leichte Gefühl und mein Darm mochte plötzlich andere Nahrungsmittel nicht mehr. Der nächste Übeltäter war das Fleisch, beziehungsweise dachte ich nicht an das Fleisch, sondern zunächst an die Zusatzstoffe.

Zucker

Wie konnte es sein, dass in fast allen Fleischgerichten Zucker steckte? Und überhaupt liebte ich Süßigkeiten. Ich war garantiert zuckersüchtig. Ich suchte nach Büchern und Hilfe im Internet. Was ich fand waren tatsächlich Gruppen von anonymen Zuckersüchtigen, die ich unbedingt aufsuchen wollte. Ich fand mich in den nächsten Wochen also in Sitzkreisen mit übergewichtigen Frauen, die noch nie in ihrem Leben eine Zucchini oder Aubergine gegessen hatten, geschweige denn wussten, dass solch ein Gemüse existierte. Ich war frustriert und hatte absolut keine Lust mein Essen zu wiegen oder Kalorien zu zählen. Es vergingen weitere zwei Jahre und mein Hobby wurde es anscheinend Krankheiten zu sammeln. Ich erfuhr von meiner Schilddrüsenunterfunktion und sollte bis an mein Lebensende Hormone schlucken, ich erlitt einen Bandscheibenvorfall und sollte operiert werden, ich setzte nach Jahren die Pille ab und erfuhr, dass ich an PCO (Polyzystische Ovarien) leide und meine Regel nicht mehr bekommen würde. Ich bekam wieder Pickel, wie als Teenager und war ungeheuer launisch. Und eines lieben Tages rief dann mein Papa an.

Ayurveda

„Nico, du musst nach Polen kommen, du musst unbedingt jemanden kennenlernen.“ Meinem Vater war nicht entgangen, dass mich Ernährung sehr beschäftige und er lernte zufällig einen ayurvedischen Arzt und Guru kennen. Ich hatte kurz vorher mein erstes Buch über Ayurveda gelesen und war absolut fasziniert von dieser uralten Heilkunst. Der Guru sagte mir dann solche Dinge wie, „Nico du musst dich öfter massieren, du denkst zu viel nach und trägst zu viele Lasten, deine Verdauung muss aufgebaut werden, aber das kriegen wir alles hin. Erst einmal musst du aber die ganzen „Würmer“ loswerden.“ Wie bitte? Würmer? Was denn für Würmer? (Zum Thema Würmer und Parasiten werde ich noch ausführlich berichten). Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Parasiten in Menschen, obwohl ich im Studium zahlreiche Entwicklungszyklen unterschiedlicher Parasiten lernen musste. Ich tat jedoch alles, was der Guru mir sagte und fühlte mich sooooo viel besser als vorher. Ich trank fleißig meinen Möhrensaft und eine Mischung aus vier Gewürzen jeden Morgen. Vier Küchengewürze. Erst dachte ich, das sei ein Scherz, aber nach nur zwei Wochen bekam ich nach 2,5 Jahren meine Regel wieder. Einfach so. Meine Haut wurde klar und ich konnte fast alles wieder essen. Fast alles außer Milch. Vom Fleisch war ich schon abgekommen und so blieb die Entscheidung nicht fern, mich fortan vegan zu ernähren.

Vegan

Das war 2009 noch gar nicht so einfach. In einigen Bioläden gab Sojamilch und Tofu und auch Schokolade ohne Milch und so weiter. Für mich als Studentin war das fast alles unbezahlbar, daher fing ich direkt an Gemüse und Getreide zu kochen und mir mein eigenes Essen mitzunehmen. Sehr bald schon flog ich nach Indien und bekam nach zwei weiteren Wochen einer speziellen Kur meine Schilddrüsenunterfunktion in den Griff. Diese existiert seitdem nicht mehr. So kam es, dass ich noch stärker begann mit mir und meinem Körper zu experimentieren. Es ging nicht mehr nur um Ernährung, sondern die richtige Schlafposition, das richtige Mantra, die richtige Musik, die richtigen Gedanken und so weiter.

Sibirien

2011 begleitete ich meinen Freund in seine Heimat Sibirien. Ich war schwanger und unglaublich aufgeregt die Lebens- und Ernährungsweise in Sibirien kennenzulernen. Diese Symbiose mit der Natur und mit den Jahreszeiten faszinierte mich und ich begann kurzzeitig an dem veganen Hype, in westlichen Welt, zu zweifeln. Ich probierte die frische Milch von der Kuh und fühlte mich gut. Es ging mir gut!

Am Ende

Mitten während meiner Masterarbeit kam unsere Tochter zur Welt. Ich wollte mich so gesund wie möglich ernähren, verlor durch das Stillen und die zusätzliche Arbeit nebenbei jedoch schnell an Kraft. Durch zahlreiche Blogs und YouTube Videos war ich überzeugt, dass mich eine roh vegane Ernährung retten würde und so versuchten wir das nächste Jahr roh zu überstehen. Ich hatte mich perfekt vorbereitet, habe gelernt, wo ich Wildgrün finde würde und schließlich entsaftet was das Zeug hält. Es ging mir immer schlechter und irgendwann fing unsere Tochter an zu kränkeln. Die Rohkost war ein großer Fehler musste ich feststellen, doch irgendwo hatte ich mich verloren. Es schien als hätte ich all mein Wissen über Ayurveda, über die traditionell chinesische Medizin und meine Intuition komplett vergessen. Ich bekam eine Doktorandenstelle in Bonn und musste mich selbst neu finden. Aus purer Ungeduld fing ich an mir Hilfe zu holen und musste bald feststellen, dass ich das doch alles schon konnte und wusste. Ich musste mich nur erinnern, aber ich hatte Angst. Angst zu versagen, Angst Fehler zu machen und Angst es Anderen nicht recht zu machen.

Und jetzt?

Da saß ich nun und zermaterte mir das Hirn, obwohl es doch direkt vor mir lag. Das Gehirn als Forschungsobjekt meiner Arbeit wurde irgendwann Gegenstand meiner Heilung.
Ich lernte geduldig zu sein und seitdem entwickelt sich alles viel schneller als ich es mir erhofft hätte. Ich lernte auf meine innere Stimme zu hören und weiß, dass ich immer den richtigen Weg gehe. Und schließlich lernte ich mich selbst zu lieben, was dazu führte, dass ich scheinbar unendlich viel Liebe abgeben kann und zurückbekomme. Und ich bin unwahrscheinlich optimistisch, dass du das auch kannst. Ich werde dir gern das nötige Wissen an die Hand geben und du kannst dir nehmen so viel du willst. Ich gebe dir auch gern meine ganze Hand, verbringe Zeit mit deiner Geschichte und begleite dich dabei, wie du sie umschreibst. So oder so, ist es dein Weg und es gibt weder eine Wunderpille noch ein Patentrezept. Es gibt auch nicht DIE richtige Diät für uns alle. Es gibt nur das Werkzeug, welches gerade am besten in DEINER Hand liegt. Genauso kann unsere Ernährung uns dabei helfen gesund zu werden. Du musst nur herausfinden, wie die einzelnen Nahrungsmittel auf dich und deinen Körper wirken und dich darauf einlassen. Ein paar einfache Küchengewürze können manchmal mehr ausrichten als eine Schublade voll mit Tabletten.

Nicoletta Czechowska

Biologin mit Schwerpunkt Neurobiologie, Bloggerin, Mama und selbsternanntes Organisationstalent

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